Heute war mein letzter Arbeitstag. In meinem Kopf geht’s rund, das ist ein Spaß… So viele Gedanken, so viele Emotionen, so viel Herzblut, so viele liebe Menschen, so viele Herausforderungen, so viel Papier, so viel Spaß, so viele tiefe Gespräche, so viel Werbung, so viele Tränen, so viel Mut, so viel, so viel, so viel.
Und viel mehr Dankbarkeit.

[vlnr: 9 Monate Texten schwarz auf weiß; letzte Heimfaht]
Eine viele Bini
Das Praktikum ist fertig und das ist gut so. Ich habe (in selbstverständlicher Selbstreflektion), mein letztes halbes Jahr Revue passieren lassen und festgestellt: es war saugut. Der letzte Monat hat mir zwar den Rest gegeben, aber er war auch wirklich nicht repräsentativ, sondern mit außerplanmäßigen Herausforderungen angereichert -wie z.B. einem riesen Pitch (das ist ein Wettbewerb zwischen Agenturen um einen Neukunden), Umzug in der Agentur, sehr herausfordenden zwischenmenschlichen Situationen, Tribes, Chefpräsentationen und wie immer: dem unfassbaren Leistungsdruck. Um nur ein paar zu nennen.
Da verliert man schnell mal aus den Augen, dass der Job wahnsinnig viel Spaß macht. Aber auch ohne diesen letzten Monat hätte ich doch feststellen müssen: fulltime, nonstop, one-and-only arbeiten geht bei mir nicht. Also es ginge schon, bloß geh ich dabei kaputt. Weil ich Zeit brauche um durch zu atmen und in die Sonne zu blinzeln. Zeit um Latte zu trinken und Fotos zu machen. Zeit um Menschen zu überraschen, denn das macht sie froh und mich manchmal sogar ein bißchen mehr. Zeit um das Kribbeln im Herz und Hirn wieder ab zu bauen, um Dinge zu erschaffen und dann wieder neues Kribbeln zu bekommen. Darum bin ich mehr als dankbar, den Junior-Texter-Job abgelehnt zu haben und nur 2 Tage die Woche in der Agentur zu arbeiten.
Nicht oder nur wenig arbeiten wollen hat in unseren verkorksten Köpfen immer einen Faulheits- Beigeschmack. Dabei finde ich es schrecklich, unproduktiv zu sein. Bloß möchte ich meine Produktivität, meine Begeisterung und meine Leidenschaft nicht eingleisig verpulvern. Und schon gar nicht für ein Geschäft, dass die Nachhaltigkeit einer Eintagsfliege unterbietet. Klar, mit Herzrasen werde ich die Welt auch nicht verändern. Aber vielleicht ein einziges Leben an einem einzigen Tag ein einziges bißchen schöner machen.
Eine Vollzeit-Bini

Am letzten Praktikumstag hab ich ein Erinnerungsbild gemacht. Bei der täglichen Heimfahrt hat der Messeturm mir noch schnell gezeigt, worauf’s eigentlich ankommt. Er zeigt nämlich nach oben.

Einsnullnull. So viele Tage bin ich schon im Texter-Praktikum. Das macht mich froh. Noch froher macht mich, dass es nur noch sechs Tage lang geht. Nicht das es nicht toll wäre, es ist definitiv toll. Aber mein Leben ist auch toll. Und beides auf einmal ist nicht so leicht. Darum habe ich das Angebot Junior-Texter in Festanstellung zu werden leichtsinnig ausgeschlagen (leichtsinnig deshalb, weil mir der Sinn nach leichterem stand. Wie z.B. Sommer. Und NY.)
Und nun freue ich mich sehr, dass ab nächster Woche die zwei-Tage-die-Woche-Werkstudenten-Zeit beginnt. Mit weniger Arbeit und mehr Kohle. Besser geht’s nicht. Ich würde jetzt gerne einhundert Dinge aufzählen, auf die ich mich freue. Weil das ein bißchen viel wäre, nehm ich nur sechs ;) Ich freu mich auf [eins] Zeit im Park mit Gott [zwei] Zeit mit dem weltgeilsten Mann [drei] Herzrasen und Produktivität und Herzrasenproduktivität [vier] netten Menschen spontan oder von langer Hand geplant eine Freude machen [fünf] nicht zum Bus rennen, sondern einfach den nächsten nehmen [sechs] träumen, planen, neue Ideen kriegen, an alten weiterdenken, begeistert sein über mein Leben und Gott und die Welt.
Eine runterzählende Bini
Puh. Bin echt begeistert und höchst erstaunt. Ich dachte echt meine Grenzen sind früher erreicht. Und vor allem dachte ich, dass ich da nicht so einfach rüber kann. Aber wie sich herausstellt weiß Gott mehr über mich. Zum Beispiel, dass da geheime Reserven lauern. Aber worum geht’s hier eigentlich? Hier geht’s darum, dass ich im Moment einen Job mache, vor dem ich letztes Jahr so viel Respekt hatte, dass ich Bauchschmerzen bekommen habe, wenn ich darüber nachgedacht habe. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber wenn einen etwas total begeistert und man weiß, dass man gut sein kann & will und das einem total Respekt einflöst. So ist das bei mir und der Werbung. Werbung kann so kacke sein, dass man aus dem Kino rausgehen will (wir haben keinen Fernseher ; )). Aber Werbung kann auch so geil sein, dass man Gänsehaut bekommt. Und so was will ich machen. Unbedingt.
Äh, wo war ich? Ach ja, Herausforderung… Zum einen ist dieser Wille und die tägliche Anspannung etwas Geiles zu schaffen, herausfordernd. Außerdem ist bei der Größe der Agentur die Vorstellung der Budgets herausfordernd und der Gedanke daran, dass ganz Deutschland das sehen kann. Und hier die erste, ganz erstaunliche Erkenntnis: ich entwickele eine gesunde Kaltschnäuzigkeit. Ehrlich. Ich weiß, wenn ich morgen den geilen Spot hinhaue, läuft der im Juli quer durch alle Kanäle zur Primetime. Und heute gehe ich nach Hause und es ist mir vollkommen egal. Ich denke nicht einen Moment drüber nach, was das für eine Riesenchance ist und wie riesig ich sie auch vermasseln könnte.
Hm. Jetzt habe ich gar nicht über die geheimen Reserven geschrieben… Ich habe heute entdeckt, dass ich, auch wenn ich krank bin, 12 Stunden am Tag arbeiten, zum Zug rennen und um 23:00 zu Hause sein kann, ohne auch nur ein Mal zu heulen. Bin ich noch eine Frau? Hihi… ja, ich glaube gerade jetzt. Da schlummern so einige geheime Reserven… Und morgen mach ich nen geilen Spot. Im Juli kriegt ihr alle Gänsehaut.
Eine siegessichere Bini
P.S. und wisst ihr, welcher Held mich zu später Stunde vom Bahnhof abgeholt hat?? Richtig.
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