Tag Archive for 'Alltagsphilosophie'

Montagsvideo #129 Was uns antreibt

Wenn ich ein Video gleich mehrfach zugeschickt bekomme mit der Anmerkung, es passe irgendwie zu mir, dann ist es meistens wirklich was für mich. Beim folgenden Video ist das definitv der Fall. Ich kannte zwar den Input von Dan Pink über die Frage, was uns wirklich antreibt, nicht aber die geniale Animation von RSA:


[via Marvin & Matthias]

Hier noch der ausführlichere, original TEDtalk von Dan Pink. Den gibt’s auch mit deutschem Untertitel.

Ich zitiere: Henry Ford

Ich hab’ eben mal aus reiner Neugier in den alten Büchern der Wirtschafts-Bibliothek gestöbert. Im Vorwort  zu ”Das große Heute, das größere Morgen” hat Henry Ford 1926 folgende Zeilen geschrieben, die ich streitbar und bemerkenswert finde:

Seit Jahrhunderten klagen die Menschen über den Mangel an Möglichkeiten, sprechen vom Druck der Notwendigkeiten… Aber noch jedes Jahr hat irgendeinen neuen Gedanken auftauchen und sich entwickeln sehen und damit eine Reihe neuer Möglichkeiten geschaffen. Heutzutage besitzen wir bereits genügend erprobte Ideen, die, in die Tat umgesetzt, die Welt aus ihrer stumpfen und trägen Armut reißen und allen, die den Willen zur Arbeit haben, ihren Lebensunterhalt sichern würden. Nur die alten, überlebten Traditionen stehen diesen neuen Ideen im Wege. Die Welt legt sich selbst Fesseln an, verhüllt ihre Augen, und dann fragen sich die Menschen noch verwundert, warum es nicht vorwärts geht!
Greifen wir nur einen dieser neuen Gedanken heraus - an sich ein unbedeutender Gedanke, den jeder hätte fassen können, aber den zu entwickeln mir beschieden war (Anm.: Die Entwicklung des Autos für Jedermann). Wichtig aber ist folgendes: dass wir aus einer bloßen Handvoll in einer Werkstatt tätiger Männer zu einer bedeutenden Industrie gewachsen sind (…). Drei Millionen Männer, Frauen und Kinder verdanken also ihren Lebensunterhalt einer einzigen Idee, die erst vor achtzehn Jahren in die Tat umgesetzt wurde. (…) All dieses ist in kürzerer Zeit gereift, als ein Kind zum Heranreifen braucht. Welcher Unsinn, da von Mangel an Gelegenheit zu schwatzen oder diesen Gedanken auch nur zu fassen! Wir wissen nur nicht, was Gelegenheit ist.
Auf der Welt leben seit jeher zwei Sorten von Menschen - Pioniere und Leute, die im altgewohnten Trott wandeln. Stets greifen diese letzten die Pioniere an. Sie behaupten, die Pioniere hätten alle Möglichkeiten an sich gerissen. Dabei ist es doch eine offensichtliche Tatsache, dass die große Herde überhaupt nirgends hintrotten könnte, hätten nicht erst die Pioniere die Wege gebahnt.
Denkt mal über eure Arbeit in der Welt nach. Habt ihr euch eure Stellung selbst geschaffen oder tat es jemand anderer für euch? Habt ihr das Geschäft, in dem ihr tätig seid, begonnen oder tat das irgendein anderer? Habt ihr je selbst eine Gelegenheit entdeckt oder geschaffen oder seid ihr die Nutznießer einer Möglichkeit, die andere geschaffen oder entdeckt haben? (…)
Tatsache ist, dass vor einem Menschenalter tausend Mann auf eine Gelegenheit kamen, während heute tausend Gelegenheiten für jeden Einzelnen vorhanden sind.

Montagsvideo #95 Eine neue Philosophie von Erfolg

O wie war, was Alain de Botton hier über Erfolg sagt. Wer wirklich erfolgreich sein will und dabei auch noch glücklich, nehme es sich zu Herzen:

So what I want to argue for, is not that we should give up on our ideas of success. But we should make sure that they are our own. We should focus in on our ideas. And make sure that we own them, that we are truly the authors of our own ambitions. Because it’s bad enough, not getting what you want. But it’s even worse to have an idea of what it is you want, and find out at the end of a journey, that it isn’t, in fact, what you wanted all along.

Seelenstrip. Oder: Alltagsphilosophie die Erste

So, nach all der Schönheit hier in den letzten Wochen wird es mal wieder Zeit für etwas mehr Tiefgang auf unserem Blog. Erstens bin ich nämlich, neben all dem Enthusiasmus in meinem Leben, vor allem jemand, der viel nachdenkt und ungemütliche Fragen an das Leben stellt. Und zweitens werde ich den Blog nicht so ohne Weiteres den Mädelsthemen wie schöne Papiere & Co überlassen.
Also: Mehr Tiefgang bitte. Auf meinen gedanklichen Streifzügen durch die Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz wird’s ab und an zwar durchaus mal philosophisch. Aber am spannendsten finde ich die großen Fragen des Lebens, wenn sie im Alltag ganz konkret werden. Wenn sie in Situationen aufkommen, in denen ich selbst drinstecke oder die ich bei anderen mitbekomme. Über sowas sinniere und lese ich oft. In Zukunft schreibe ich auch drüber.

Schriftlich Denken

Deshalb führe ich mit sofortiger Wirkung eine neue Kategorie im Blog ein: Alltagsphilosophie.
‘Philosophie’ deshalb, weil’s wie gesagt auch mal hochtrabend werden kann. Und ‘Alltag’, weil es immer einen konkreten Bezug gibt. Konkret heißt das, ich nehme in Zukunft öfter mal das MacBook auf die Knie, wenn ich am Denken bin und übersetze meine Gedanken in Tastaturanschläge. Schriftliches Denken quasi - und diese Gedanken werde ich dann in die neue Kategorie “Alltagsphilosophie” posten. Also: MacBook auf die Knie und los! Ich höre erst auf, wenn die kreisenden Gedanken so viel Reibungswärme erzeugen, dass ich Kopfschmerzen bekomme. Vielleicht nichtmal dann.

Fragen zum Konzept

Das Faszinierendste am Leben in New York ist für mich, so viele interessante Menschen mit komplett unterschiedlichen Lebenskonzepten zu treffen. Vom Investmentbanker auf der Wallstreet bis zum Straßenmusiker in der Subwaystation ist die komplette Bandbreite vertreten. Und da ich persönlich sehr begeisterungsfähig bin, wenn es zu Menschen kommt, faszinieren mich einige von ihnen so sehr, dass ich stark in´s Grübeln über mein eigenes Leben komme.

Wo sehe ich mich zwischen Karriere und Freiheit? Zwischen Sicherheit und Selbstverwirklichung? Zwischen Kohle scheffeln und Gutes tun?

Das Komplizierte ist: mich faszinieren Menschen an beiden Enden des Spektrums. Der arme Musiker genauso wie der Jungunternehmer, der Sozialaktivist und sogar der Politlobbyist - ich kann mich also nicht einfach auf eine Seite schlagen. Diese sehr persönlichen Fragen haben mich deshalb zu meinem neuen Projekt angeregt: Ich werde ein Interview mit den unterschiedlichsten New Yorkern führen und sie fragen, was sie antreibt, was sie erreichen wollen, woher sie kommen & wohin sie gehen. Dann kann ich sehen, worin sich Wallstreet, Pastor, Gastronom & Hausfrau unterscheiden und wo sich sich ähnlich sind.

Damit will ich erstens herausfinden, wo ich mich persönlich in der Bandbreite der Lebensentwürfe am besten wiederfinden kann. Zweitens (und hier wird´s journalistisch) will ich die inspirierende Vielfalt in New York einfangen und in einem Artikel für alle erlebbar machen.

Und jetzt brauche ich euch: ich hänge nämlich fest mit dem Interview und habe mir gedacht “Mensch Domi, du hast doch aufgeweckte Freunde und Blogleser - frag´die doch einfach”. Deshalb hoffe ich jetzt auf eure Hilfe: Was würdet ihr den Wallstreet-Broker fragen oder den Musiker oder sonstwen? Wer wäre ein interessanter Gesprächspartner? Und welche Fragestellungen fändet ihr spannend?

Weitergedacht

Ich hab´den Gedanken aus dem vorigen Eintrag mal weitergedacht und er birgt tatsächlich noch ein paar interessante Erkenntnisse!
Um´s nochmal klarer zu sagen: mir hilft der 100 Punkte-Ansatz zum Beispiel, wenn jemand daherkommt, der bei den Äußerlichkeiten - sei es Wohlstand, Aussehen oder sonstwas - offensichtlich nur wenige seiner 100 Punkte liegen hat. Demnach hat gerade derjenige noch massig Punkte übrig, um sie auf innere Werte - sei es Charakter, Ideenreichtum oder sonstwas - zu verteilen. Dieser Gedanke führt dazu, dass ich mir die Menschen um mich herum ein zweites mal anschaue und darauf achte, welche Stärken unter der Oberfläche auf mich warten.
Im Umkehrschluss wirft das aber auch auf mich bezogen interessante Fragen auf: wenn ich bei den äußeren Umständen reich gesegnet bin - und Gott meint es da offensichtlich gut mit mir ;-) wieviel Punkte bleiben mir da noch für das eigentlich wichtige?
Natürlich glaube ich nicht wirklich, dass jeder 100 Punkte irgendwo verteilt hat. Aber der Gedanke hilft mir, mich selbst mal kritisch zu hinterfragen und andere wohlwollender anzusehen.

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Weltverbesserung #1 Kapitalismus vs. Ethik

Wir alle wollen die Welt verändern. Und genau deshalb gibt´s ab jetzt eine neue Kategorie auf unserem Blog: Weltverbesserung. Für die Zukunft gilt also:
Weltverbesserungsvorschläge sind jederzeit herzlich willkommen.

Ich mach´mal den Anfang: Kapitalismus und soziale Ethik passen für viele einfach nicht zusammen. Ich will ich es trotzdem mal probieren: Die meisten unter uns werden wohl der Aussage zustimmen, “Jeder Mensch ist gleichviel Wert”. Und diesen Wert können wir nun, wie in der Wirtschaft üblich, messbar und damit vergleichbar machen. Also ordnen wir dem Wert eines jeden Menschen - sagen wir mal - 100 Punkte zu.
Ich habe mir meine Mitmenschen mal auf diese Weise angesehen und gemerkt: es ist sau leicht, einen wertschätzenderen Blick auf andere zu bekommen. Denn: es gibt Stärken und Eigenschaften, die offensichtlich sind und jedem sofort auffallen. Bei anderen Typen muss man schonmal genauer hinsehen.
Aber egal, ob die schlimmste Vogelscheuche daherkommt oder jemand, mit dem ich einfach nicht kann: irgendwo hat selbst der letzte Typ seine 100 Punkte versteckt: Ich hab verunsicherte Leute gesehen mit mutigen Gedanken, graue Mäuschen mit schillernden Persönlichkeiten und trockene Typen mit erfrischendem Humor.

Weiter zu Teil 2.

P.S. Den Post hatte ich aus Versehen erstmal halbfertig hochgeladen… Danke an Bini für dein besinntes Eingreifen, durch das du Schlimmeres verhindern konntest.

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