Archive for November, 2009

Feiern mal anders!!

Heute: eine Kündigungsparty!! Yeay!! Mit dem Abi als Ehrengast :)
Ärgerlich für den Vermieter (gleich zwei leere Wohnungen in unserem Haus), aber schööön für die gemeinsam Umziehenden.

*Kündigungsparty*

Geil. Wir ziehen um. Aber erst im Februar. Und von “erst” kann nicht die Rede sein. Bis dahin muss eine Menge Boden geschliffen, Bäder installiert, Tapeten von der Wand weg und wieder auf die Wand drauf gemacht werden. Gestrichen, Dübel gezogen, Wände rausgerissen (diese Wände werden vorher nicht gestrichen und behalten alle Dübel, die sie wollen). All das, und noch viel mehr. Trotzdem sehen wir auf dem Foto ganz froh aus, oder? Vor allem, weil der Umzug mit dem letzten Eintrag zusammenhängt: Laufnähe zu Joe&Christiane, zu Flo&Debbie und auch zu Anja. Und Oli&Sophia können wir aus dem Wohnzimmer auf den Balkon spucken. Nicht, dass wir das machen würden.

Geil, geil, geil. 

Eine um(her)ziehende Bini

P.S: Der Abi zieht natürlich mit. Uns war der Weg vom 2. zum 4. Stock zu weit. Nach dem Umzug wohnt er dann direkt über uns…
P.P.S: zu dieser Sache, die ich hier mal als “Umzug” abtue, kann man ca. 1.000 x 1.000 Worte mehr verlieren. Machen wir wann anders. Wir tasten uns langsam ran, den kompletten Traum hier zu erzählen. Da kommt noch einiges auf euch tapfere Blogleser zu…

Für meine Freunde.

Heute macht mich der “Beitrag vor 1 Jahr” (links oben zufinden), besonders sentimental. Da haben wir nämlich (wenn man mal den ganzen Halloween-Kram übergeht) von einem Guten-Kaffee-Morgen erzählt. Samstagmorgen in einem schönen Café in Brooklyn: wir haben geredet und geträumt und gute Entscheidungen getroffen. Vor einem Jahr habe ich mich davor gedrückt zu erzählen, welche genau. Und heute möchte ich das nachholen. 

*vor*1*Jahr*
NY war ein Traum, total der Hammer. Wir waren gerade so richtig gut angekommen und haben uns “zu Hause” und voller Tatendrang gefühlt. Weil wir unsere Rückflug-Tickets umbuchen mussten, drängte sich die Frage auf, ob und wann wir zurück wollen. Im Gespräch über “NY für länger” sind uns 2 Dinge aufgefallen:

1. wir haben schnell richtig gute Freunde gefunden (wir waren überrascht!). Das Cliché der amerikanischen Oberflächlichkeit hat sich zwar bestätigt, aber es war nicht schwer auch auf tiefere Ebenen zu kommen. Trotzdem haben wir gemerkt, wie sehr uns unsre Freunde in Deutschland fehlen und mit ihnen die Freundschaften, die schon über Jahre gewachsen sind. Und überhaupt sind da einfach geile Menschen in Deutschland. Ein extrem überzeugender Grund dafür zurück zu kommen.

2. Wir haben auf dem Hinweg zum Café eine leer stehende Gewerbefläche gesehn und überlegt und geträumt: was könnte man da rein machen? Ein cooles Café -Mist, da fallen uns gleich 5 supergeile im 2km-Radius ein. Ähnliches mit anderen Geschäftsideen, die es so gäbe. Und da haben wir gemerkt, dass Wiesbaden etwas hat, was Brooklyn fehlt: das (zaghafte) Aufblühen von Kreativität. Es ist hier und da zu sehn, im schönen Wiesbaden, es gibt schon ein oder zwei recht coole Cafés, Designmärkte, Kreativ-Initiativen aber vieles ist gerade so am Anfang. Geil, haben wir gedacht, lass uns wieder zurück gehn und kräftig mitmischen. Brooklyn wird uns nicht vermissen. 
So kam es, an diesem schönen Samstagmorgen, zu dieser schönen Entscheidung. Wer weiß, wären unsere Freunde nicht so unersetzlich und wäre Wiesbaden nicht so cool, wären wir am End doch in NY geblieben.

Ich habe in den letzten Wochen besonders gerne an diesen Samstagmorgen gedacht, weil sich hier in Wiesbaden gerade klammheimlich ein paar Träume erfüllen. (Dazu hat mein herrlicher Mann schon mal was geschrieben. Und zwar in der Mail an die Heimat.) Hier ein kleiner Auszug aus meinem Tag: nach kurzem Christiane-Besuch und Einkaufen kam ich nach Hause und hab’ den Joe mit gebracht, der hier was im Internet arbeiten wollte. Dann kamen Oli&Sophia kurz auf einen Latte vorbei und später ist der Abi reingeschneit. So zu Leben ist herrlich. Danke, liebe Freunde, dass ihr in unserer Nähe seid und schön, wie sich all das im letzten Jahr ergeben hat, mit den Wiesbaden-Umzügen. Joe&Christiane vor 1 Jahr, Abi vor 4 Monaten, Debbie&Flo&Benico vor 2 Wochen, Oli&Sophia vor einer Woche, Anja in einer Woche, Camilla (gerade zurück aus Barcelona! Juhuu!) in naher Zukunft…
Hier leben und mit euch leben ist geil.
Es war eine sehr gute Entscheidung, vor einem Jahr.

Eine Bini mit Freunden

Montagsvideo #95 Eine neue Philosophie von Erfolg

O wie war, was Alain de Botton hier über Erfolg sagt. Wer wirklich erfolgreich sein will und dabei auch noch glücklich, nehme es sich zu Herzen:

So what I want to argue for, is not that we should give up on our ideas of success. But we should make sure that they are our own. We should focus in on our ideas. And make sure that we own them, that we are truly the authors of our own ambitions. Because it’s bad enough, not getting what you want. But it’s even worse to have an idea of what it is you want, and find out at the end of a journey, that it isn’t, in fact, what you wanted all along.

Deutsche Tugenden
oder: Scheiß Wetter, aber ein geiles Land

Hehe. Hab’ heute über die “Beiträge vor 1 Jahr” oben links den Eintrag  ein Blick auf die Amis wieder gefunden. Damals hatte ich über Eigenschaften geschrieben, die ich an den Amis schätzen gelernt habe. Kurz darauf saß ich damals in einem Café in Manhatten und der Patriot in mir hat sich zu Wort gemeldet (er hat sich wohl vernachlässigt gefühlt) und mich genötigt, auch ein paar Zeilen über die Deutschen zu schreiben. Tja, das ist mir heute - ein Jahr später - wieder eingefallen.

Herbstblattschlacht Herbstblattschlacht Herbstblattschlacht Herbstblattschlacht

Ein Blick in den Moleskin brachte Folgendes zum Vorschein (in aktualisierter Form):
German Engineering Den Ruf der perfekten Ingenieurskunst hat Deutschland völlig zu Recht. In aller Bescheidenheit: Wir bauen einfach geile Autos. Aber: Entwickler-Talent geht weit über Maschinen und Autos hinaus: Überall, wo es gilt, Dinge, Prozesse oder Systeme weiter zu entwickeln, sind die Deutschen unheimlich ausdauernd. Vieles, was in teils trockenen Prozessen (weiter-)entwickelt werden muss, tragen die Deutschen weiter als viele andere. Das führt zu einer unerreichten
Perfektion Zum Beispiel bei Abläufen des öffentlichen Lebens: Verkehrsleitsysteme, Beschilderungen an Flughäfen und Bahnhöfen, Wahlabläufe - vieles läuft in Deutschland echt rund und macht das Leben stressfrei. In NY gibt es selbst in Bahnhöfen, die täglich tausende verwirrte Touris durchqueren müssen, keine Schilder, sondern nur genervte Billigjobber, die unverständliche Wortfetzen durch die Gegend brüllen. Echt jetzt, die Deutschen haben schon eine krasse
Genauigkeit Ein gewagtes Beispiel: Deutsche Züge und Busse fahren nach Plan. Erstens, weil es überhaupt mal einen minutiösen Plan gibt (das ist nicht selbstverständlich: in Griechenland steht an der Haltestelle auch gerne mal, dass Linie xy ungefähr 2-4 Mal pro Stunde fährt). An vielen Haltestellen zählt darüberhinaus die Digitalanzeige minutengenau runter und just bei “0″ biegt der Bus um die Ecke… Hm, streitbares Thema, besser zum nächsten.
Aufrichtigkeit Ich hab die amerikanische Art des Small Talk zwar genossen, aber es hat schon was für sich, wenn man weiß, dass Sympathie-Bekundungen auch so gemeint sind. Wenn ein Ami es ‘amazing’ findet, dich zu sehen, du sofort zum ‘friend’ aufsteigst oder gar ein ‘I love you’ abbekommst, ist das zwar nett, aber heißt nicht unbedingt viel. In Deutschland ist die Sache klar: Wer grießgrämig an dir vorbeiläuft ist entweder ein Arsch, oder egal. Aber auf ein “Schön dich zu sehen” ist Verlass. Vielleicht liegt das ja an der
Vernunft die die Deutschen zwar überbewerten, aber dafür auch massig haben. Wir begegnen Dingen einfach nicht naiv-enthusiastisch, sondern mit klarem Verstand und langfristigem Blick. Der kommt vielleicht daher, dass wir sowas haben wie eine
lange Geschichte aus der man viel lernen kann. Man muss sich nur damit auseinandersetzen. Und das machen die Deutschen auf eine beeindruckend verantwortungsvolle Art und Weise. Und das führt zu einer gehörigen Portion
Selbst-Reflexion Wir sind zwar allzu oft allzu selbst-kritisch, aber alles in allem laufen wir mit der Taktik echt gut, glaube ich. Ich habe selten ein Volk gesehen, dass sich so offen mit den dunkelsten Punkten der Geschichte auseinandersetzt und dafür heute noch weltweit Verantwortung übernimmt (War da mal was mit General Franko?) Das hilft, die negativen Auswirkungen des Machtstrebens einzelner zu verhindern (Also ich habe das Schlagwort ‘Sarkozy’ oder ‘Berlusconi’ nicht gebracht) Wie dem auch sei: Die gute Seite der langen Geschichte ist eine facettenreiche
Kultur Beim Essen glänzen wir zwar nicht so. Aber während Christmas &  Easter in den Staaten ziemlich kitschig ausfallen, geht es an unseren Feiertagen echt feierlich zu. Und wo wir gerade beim Thema Kultur sind: Ich genieße es sehr, Europäer zu sein. Auf engstem Raum haben wir so viele unterschiedliche Kulturen mit jeweils ureigenem & liebevollem Charakter, dass andere davon nur träumen können. Durch unsere
Fremdsprachen-Kenntnis lernen wir diese übrigens auch viel besser kennen. Klar, Amis haben außer Englisch nichts nötig. Aber eine Sprache zu lernen hilft ungemein, Land und Leute zu verstehen.

Viel davon hört sich ein wenig trocken an im Gegensatz zu Herzlichkeit, Optimismus und Lebensfreude bei den Amis… Aber unsere Liste könnte auch noch weiter gehen. Ja, ein wenig trocken mögen wir sein, wir Deutschen. Dafür ist unser Wetter feucht!
Ich liebe dieses Land.