Ich weiß nicht, ob du zu den 14 Millionen Deutschen gehörst, die gestern Abend das TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier gesehen haben. Ich hab’s gesehen - und ich komme nicht umhin, etwas dazu zu sagen. Schließlich hängt die Zukunft dieses wunderbaren Landes davon ab. Außerdem hatte ich in der letzten Woche die Gelegenheit, beide Kandidaten auch persönlich zu erleben - beide waren nämlich auf Wahlkampftour in Wiesbaden und haben mir ein paar Eindrücke aus der Nähe gewährt. Bei der Gelegenheit waren wir übrigens auch mit einem alten Bekannten ein Eis essen:
Einmal vorne scharf…Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â …und einmal hinten.
Eines vorab in aller Klarheit: Das folgende ist weder objektiv noch umfassend, sondern subjektiv, polemisch und unausgereift. Aber die Klappe halten will ich auch nicht. Deshalb in den nächsten Tagen ein politisches Drama in mehreren Akten - den Anfang macht der Mindestlohn (EDIT: Ich meine hier übrigens immer einen pauschalen, flächendeckenden Mindestlohn, wie er von SPD, Grünen und Linken gefordert wird):
7,50€ als Zauberwort für soziale Gerechtigkeit? Einen Moment: Es sagt doch keiner, dass die von der SPD, den Grünen und der Linken vielzitierten 3,18€ für die Frisörin in Berlin ein gerechter Lohn seien - geschweige denn einem Menschen das Gefühl von Wertschätzung vermitteln. Und: Wenn jemand trotz harter Arbeit davon nicht leben kann, dann muss ihm geholfen werden - das ist gar keine Frage. Die Frage aber, wer genau helfen soll und wie. Und dazu denke ich folgendes:
1. Es ist die Aufgabe des Sozialstaates. Wir haben in Deutschland die soziale Marktwirtschaft, das heißt: Einerseits gibt’s da die Wirtschaft, die nach dem Prinzip der Märkte funktioniert und dann gibt es, da wo diese nicht perfekt funktionieren und den Schwächeren benachteiligen, die eingreifende Politik. Und tatsächlich: Die schon jetzt geltende Gesetzgebung in Deutschland sieht ein garantiertes Mindesteinkommen für jedermann vor, auf dass man einen gesetzlichen Anspruch hat. Wer das nicht erreicht, wird vom Staat finanziell unterstützt. Nun kommen die SPD, die Grünen und die Linken daher und wollen den Unternehmen diese Aufgabe aufdrücken, die eigentlich die Aufgabe des Staates ist.
Fazit: Der Mindestlohn ist der Versuch Mit dem Mindestlohn versuchen Steinmeier & Co, eine der ureigenen Aufgaben der Politik an die Wirtschaft auszulagern.
2. Für diese Aufgaben wird der Staat darüberhinaus schon lange bezahlt. Wir alle geben ihm als Steuerzahler das nötige Geld für die sozialen Sicherungssysteme. Daher muss der Staat auch seine Hausaufgaben machen. SPD, Grüne und Linke können nicht daher kommen und bei weniger Staatsleistung dieselben oder gar höhere Steuern erheben.
Fazit: Die Bürger bezahlen den Staat bereits, diese Aufgabe zu erfüllen. Er darf sie nicht ohne weiteres an die Wirtschaft abtreten.
3. Um das alles noch aufzuheizen, erzählen die einem dann das Märchen vom gierigen Kapitalisten. Aber nehmen wir mal einen Unternehmer, der sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und nur das Beste für seine Angestellen will. Jetzt beschäftigt er Arbeitnehmer in Jobs, die keine große Wertschöpfung haben, z.B. Reinigungskräfte oder Sicherheitspersonal. Dann kommt der Staat und sagt: Du musst den Arbeitnehmern mindestens so und so viel bezahlen, unabhängig davon, was sie dem Unternehmen bringen. Jetzt hat der Unternehmer folgende Wahl: Entweder, er behält den Arbeitnehmer und zahlt ihm mehr, als dieser dem Unternehmen einbringt. Dann kann das Unternehmen langfristig nicht rentabel arbeiten und es muss mit der Zeit noch mehr Stellen abbauen, nur um am Anfang einen scheinbar sozialen Arbeitsplatz zu halten. Wenn ein Unternehmen also nach wirtschaftlichen Maßstäben arbeitet, ist das langfristig auch im Interesse der anderen Arbeitnehmer. Unabhängig davon hat das Unternehmen auch gar keine Wahl, da es im Wettbewerb bestehen muss. Ganz im Gegensatz zum Staat: Der kann nämlich Geld ausgeben, ohne selbst welches zu erwirtschaften und ist gerade dazu da, in solchen Bereichen einzuschreiten.
Fazit: Pauschale Mindestlöhne vernichten Jobs, weil Unternehmen unrentable Stellen schlichtweg nicht halten können. Dafür hat nur die Politik die Mittel.
4. Wo genau sind Mindestlöhne eigentlich nochmal relevant? Nehmen wir wieder das Beispiel der Billigfrisöre: Hier gehen doch nur Menschen hin, die nicht besonders zahlungskräftig sind. Das heißt, wenn Mindestlöhne die Arbeit teurer machen - und damit am Ende natürlich auch die Preise erhöhen - dann tun sie das in genau den Bereichen, wo es die sozial Schwachen trifft. Der Starfrisör Udo Waltz zahlt seinen Mitarbeiten mit Sicherheit weit mehr als den Mindestlohn. Das heißt teurer wird es nur für die Billigfrisöre, die die Kostensteigerung dann eben an ihre Kunden weitergeben. Und genau die können es sich eben nicht leisten, für einen Haarschnitt mehr als 15€ zu zahlen.
Fazit: Der Mindestlohn ist nur oberflächlich sozial. Im zweiten Schritt trifft er gerade die Schwachen.
5. Was passiert eigentlich mit Branchen, in denen die Lohnuntergrenze aktuell bei 8,-€ ist? Die Arbeitgeber wären doch blöd, wenn sie nicht sagen: Hey, die Regierung sagt doch, 7,50€ sind sozial genug: in Zukunft bekommt ihr weniger.
Fazit: Der Mindestlohn erhöht die Lohnuntergrenze nur in manchen Branchen. In anderen wird er die Löhne reduzieren.
Mein Gesamtfazit ist daher: Der pauschale, flächendeckende Mindestlohn ist ein populistisches Getue, das weder wirtschaftlich vernünftig, noch sozial gerecht ist. Lohndumping ist schlecht und muss verhindert werden. Aber dazu braucht es schlaue Lösungen. Und die haben offensichtlich weder die SPD, noch die Grünen und schon gar nicht die Linke.
Auf geht’s ihr Rothäute und Grünschnäbel - schießt zurück!



Gut argumentiert.
Nur, wer hat diese schlauen Lösungen? Schwarz-Gelb ja nun auch nicht…
Eine Sache bereitet mir nur Kopfzerbrechen: Wenn der Staat die auffängt, die zu wenig bekommen, wie verhindert man, dass ein Unternehmer noch weniger bezahlt? Da er ja sicher sein kann, dass der Staat den Arbeiter nach unten absichert und er im Zweifelsfall einen anderen Arbeiter findet, der die Arbeit macht, kann er damit sein Produkt/Dienstleistung günstiger anbieten und hat einen Wettbewerbsvorteil. Andere Unternehmer müssen ihm dann folgen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Die angebliche Marktmacht des Kunden ist hier ja nur eine Farce, oft weiß man es gar nicht und zu viele schauen doch nur auf den Preis, zu viele haben gar keine andere Wahl, als das billigste zu nehmen.
Richtig! Nur daran sieht man ja schon, dass das Problem vielschichtig ist. Daher muss es die Lösung auch sein - mit Sicherheit aber kein einheitlicher, flächendeckender Mindestlohn.
Politische Lösungen des Problems müssten in mehrere Richtungen geben:
Wenn die Menschen trotz Arbeit zu wenig Geld für die Lebenshaltung haben, dann müssen sie entlastet werden (daher sind auch die als lächerlich abgetanen Steuersenkungen von CDU/FDP sinnvoll, z.B. durch ein verringerter Mehrwertsteuer-Satz auf lebensnotwendige Güter).
Und wenn die gesunde Preisbildung am Markt scheitert, weil Unternehmen den Sozialstaat ausnutzen, indem sie die Löhne ungerecht weit drücken, dann machen schlaue Lohnuntergrenzen durchaus Sinn. Die CDU hier schlägt z.B. vor, dass Kommissionen auf Basis regionaler und branchenspezifischer Daten faire & individuelle Lohnuntergrenzen ermitteln. Das ergibt deutlich mehr Sinn, wie ich finde. Nur lässt sich etwas so komplexes natürlich nicht so gut verkaufen wie die “der Mindestlohn macht alle reich”-Parolen der SPD, der Grünen und der Linken. Die haben in Wirtschaftsfragen die vernünftigen Inhalte offensichtlich dem Wahlkampf-Populismus geopfert…
Schade, dass du nur über den Mindestlohn reden wolltest… Da bleiben die Witze von schwarz-gelb ungehört…
Der Mindestlohn ist im Moment das Einzige, was mich im Blick auf die Wahl noch unsicher macht. Er ist ja schließlich auch nicht nur ein Nebensatz in den Programmen der besagten Parteien…
Das nervt mich richtig! Da schmeißt jeder einfach ne sinnlose Zahl wie 7,50 oder 10€ in den Raum und hofft, dass sie sich gut anhört. Das Gleiche mit der Arbeitsplatzschaffung. 2 Millionen, 5 Millionen, Vollbeschäftigung. Ein zielstrebiger Blick dazu, abgerundet mit einer nachhaltigen Handbewegung und schon weiß infratest: 56% finden das glaubwürdig.
Geht das so weiter haben wir in 4 Jahren ein “Germany´s next Bundeskanzler” wo jeder einmal anrufen darf.
Und D! ruft: “Glaub ja nicht, du bist im Parlament!”
Die Grünen fordern seit einigen Jahren einen branchenspezifischen Mindestlohn. Regional differenziert deshalb nicht, weil damit regionale Unterschiede zementiert werden. Und es nicht ganz fair klingt, wenn jemand für die gleiche Arbeit weniger Lohn bekommt, weil er oder sie woanders lebt.
Im Wahlprogramm steht jetzt erstmals €7,50 als flächendeckender Mindestlohn - mit Abweichungsmöglichkeiten nach oben für Branchen, bei denen die Löhne höher liegen. Ich glaube der Punkt muss sein, kein bürokratisches Monster zu erschaffen, bei dem jedes Jahr jede Branche in jeder Region einen neuen angepassten Mindestlohn verpasst bekommt, sondern eine absolute Untergrenze um Lohndumping zu verhindern. Und ich glaube da liegen 7,50€ auf einer ganz vernünftigen und realistischen Ebene. Von weniger zu Leben halte ich für ausgesprochen heftig. Außerdem kann dadurch der reale Lohnabstand zu ALGII und Co. erhöht werden - was Arbeitsmarktpolitisch ja von allen Seiten immer wieder gefoerdert wird. Und da eine Senkung der schon viel zu niedrigen ALG-Sätze da wohl kaum in Frage kommen kann…
Im Detail ab Seite 36 hier: http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Wahlprogramm/BTW_Wahlprogramm_2009_final_screen_060709.pdf
@Jan: Also Jan, ich hatte ja schon gehofft, dass du mir den Text richtig um die Ohren haust! Aber die heute sind wohl selbst die Grünen lammfromm ;-)
@Matze: Lass dich ruhig auch richtig über die anderen Themen aus! Dazu komm ich auf jeden Fall auch noch.
Gruene Hoffnung in 5 Akten
Verfasser: Joschka von Prolet
1.
Die Soziale Marktwirtschaft bedingt nicht einen Sozialstaat, sondern einen Regulation der Wirtschaft, die fuer einen sozialen Ausgleich sorgt. Klar ist Deutschland trotzdem ein Sozialstaat, aber was heiszt das jetzt genau? Fuer soziale Sicherheit und Gerechtigkeit sorgen! Und wieso war das jetzt nochmal die ureigene Pflicht des Staates?
2.
Ach richtig, weil das garantierte Mindesteinkommen von uns Sozialabgaben zahlenden Buergern getragen wird. Kann ja nur so sein, da: Du bist Deutschland & Deutschland ist ein Sozialstaat -> Du bist ein Sozialstaat. Aber moment, will ich das ueberhaupt?
3.
Natuerlich, der Mindestlohn vernichtet Jobs, wie mir meine billige Friseuse versichert hat. Sie traegt den Sozialstaat im Herzen und verdient ihre 3,18 Euro die Stunde mit dem Bekenntnis auf den Lippen: ich diene der sozialen Marktwirtschaft. Sie muss es wissen … aber was waere, wenn ich auch auf einmal nen Euro mehr pro Stunde verdienen wuerde: 8 Euro am Tag, 40 Euro die Woche, 160 im Monat. Dann koennte ich mir endlich mal die Haare beim Udo Waltz schneiden lassen. Gar nicht so schlecht die Idee mit dem Mindestlohn.
4.
Obwohl, was passiert denn dann mit meiner armen billig Friseuse? Billig ist die dann bestimmt nicht mehr, aber zu wem sonst? Es werden sich bestimmt alle Friseure ein bisschen verteurern. Dann halt doch sie, ist schlieszlich meine Lieblingsfriseuse. Aber wenn alles etwas teurer wird dann kann bleibt mir ja doch nicht mehr Geld uebrig. Und wer profitiert nun?
5.
Nur der Staat? Aber was macht der denn mit dem ersparten Geld? Mmmh, auf jeden Fall nicht Udo Waltz finanzieren: Schroeder ist schlieszlich Geschichte und Merkel Physikerin … er koennte sein Versprechen erfuellen und mit meinen Sozialabgaben stattdessen die Rentenkassen wieder ausreichend fuettern. Das waere eine echte Besinnung des momentanen Wohlfahrtstaates zurueck zu seinen Wurzeln als wahrer Sozialstaat. Leider sehe ich fuer meine Friseusin schwarz: der Staat wird sie bitter enttaeuschen, sobald er nicht mehr die Wohlfahrt spielen kann ohne die sozialen Lasten rechtzeitig umverteilt zu haben. Es bleibt nur zu sagen: die gruene Hoffnung stirbt zuletzt, denn sie weisz die Wirtschaft an ihre sozialen Verpflichtungen zu erinnern.
[Einschraenkung: bezieht sich nur auf eine nationale Ebene, aber ich denke, dass der Staat nicht auf Kosten des sozialen Ausgleichs Deutschland zu einem attraktiven Standort machen sollte]
Hallo, bezeichne mich, was politisches Wissen angelangt, als eher ungebildet, und habe weder den Gesamtüberblick noch die einzelnen Parteiprogramme zu 100% im Kopf. Trotzdem… meine subjektive Meinung dazu.
Ich finde einen branchenspezifischen Mindestlohn absolut wichtig, denn eine Vergütung von 3 oder 4 Euro pro Stunde – in Deutschland – ist für keine Art von Beruftstätigkeit angemessen und wertschätzend.
Ob es Reiningung oder Sicherheitsdienst ist – beides Tätigkeiten, die absolut benötigt werden – so muß auch hier ein angemessener Mindestlohn ausgeschüttet werden, so dass die Arbeitnehmer von ihren 37.5-Stunden-Job leben können. Kein Luxusleben, aber wenigstens das Mindeste bezahlen können, ohne staatliche Unterstützung.
Soweit ich es richtig verstehe, ist die größte Angst dabei, Arbeitsplätze zu verlieren, weil die Unternehmer als Folge Stellen abbauen müssten. Laut Herrn Steinmeier am Sonntag abend ist das in den europäischen Nachbarländern, in denen der Mindestlohn eingerichtet wurde, wohl nicht eingetroffen. Das müßte man halt mal genau überprüfen.
Ich finde schon, dass man den Unternehmern mehr Verantwortung in der Sache einräumen muss. Es kann nicht sein, dass manche Arbeitgeber – um einen maximalen Gewinn zu schöpfen – ihre Löhne auf ein Minimum drücken, und der Staat dabei den Rest bezahlen soll. Der Arbeitgeber macht Reibach, die Steuerzahler gleichen aus.
Als Folge von Mindestlöhnen müssten Unternehmen, die Leistungen wie Reinigungspersonal o.ä. beanspruchen, sich darauf einstellen, hier etwas angemessener zu bezahlen. Die Gewinnspannen sind bei manchen Konzernen so riesig, dass diese Mehraufwände sicher auszugleichen wären.
Ich bin selbst Unternehmer und beschäftige Angestellte sowie Reiningungspersonal. Natürlich ist man immer in der Zwickmühle, alle Ausgaben möglichst gering zu halten und einzusparen, um wirtschaftlich möglichst gut wegzukommen bzw. zu bestehen, und gleichzeitig angemessen zu vergüten und die Leute zu halten. Das ist echt schwer.
Aber: bei einem guten Produkt, einem sinnvollen Geschäftsmodell und gesundem Wachstum ist das in der Regel möglich. Unsere Reinigungskraft, die ihren Job verlässlich, effektiv und mit vollem Einsatz betreibt, bekommt einen Stundensatz von 10 Euro, den ich in diesem Fall als absolutes Minimum empfinde.
Zuallererst mal herzlich Willkommen Janosch. Du sprichst mir aus der Seele, wenn du vom verantwortungsvollen Unternehmertum sprichst. Und ich kann meinen beiden ‘Vorrednern’ nur zustimmen: Die Unternehmen MÜSSEN Verantwortung übernehmen!
Ich denke aber, dass die meisten es auch tun. Und alle anderen könnte ein Verbot “sittenwidriger Löhne” verpflichten, faire Löhne zu zahlen (CDU-Vorschlag). Denn ganz sicher: Auch Jobs wie Reinigen etc. sind wichtig und verdienen neben Respekt auch angemessene Bezahlung. Ein branchenspezifischer Mindestlohn kann da eine Lösung sein, auf keinen Fall aber so, wie ihn die nicht-Bürgerlichen jetzt fordern und ggf. umsetzen werden!
Die Bürgerlichen hingegen arbeiten eher mit der Wirtschaft zusammen & geben Anreiz, der sozialen Verantwortung auch nachzukommen, anstatt sie immer als die Bösen darzustellen. Wenn wir die Wirtschaft nämlich schlecht machen und hemmen, leiden wir am Ende alle drunter. Aber wenn wir, wie die CDU & FDP, die Wirtschaft eher als Teil der Lösung sehen als das Problem, motivieren wir sie zu verantwortungsvollem Handeln.
Und ich glaube, dass vorbildliche Unternehmer viel ausrichten können. Das klingt jetzt idealistisch, aber ich denke, dass Janosch mit seiner Haltung viel bewirkt: Zuerst hast du positiven Einfluss auf den einzelnen Angestellten, der wiederrum auf das ganze Unternehmen. Das ganze Unternehmen beeinflusst Zulieferer, Händler und nicht zuletzt die Konkurrenz. Damit ist irgendwann die ganze Branche beeinflusst und schließlich unsere Volkswirtschaft!
Wer einen ganz kompakten aber umfassenden Überblick über die Parteiprogramme sucht, findet ihn übrigens hier: http://www.tagesschau.de/static/flash/wahl2009/programme/
Ich halte auch viel von verantwortungsvollem UnternehmerInnentum - und glaube auch nicht, dass alle UnternehmerInnen schlecht sind. Aber ich glaube, das Mindeststandards, auch bei Löhnen, sinnvoll sind um schwarze Schafe zu einigermaßen erträglichen Standards zu bringen.
Ich habe das Konzept von “sittenwidrigen Löhnen” der Union nicht gelesen, aber ich verstehe nicht ganz wo das hinführen soll. Sittenwidrigkeit gibt es jetzt schon, wird aber gerade bei Löhnen wirklich nur in Bereichen angewendet, wenn ich eigentlich schon von Sklaverei sprechen würde. Und wenn da klare Grenzen gezogen werden sollen, wäre das dann nicht auch ein Mindestlohn?
Ich würde Dir, Marvin, auch gerne noch antworten, aber ich verstehe kaum ein Drittel Deines Textes. Sorry.
War nicht so literarisch abstrakt geplant, aber ich denke einfach zu lange ueber sachliche Formulierunge nach. Ein 2. Versuch:
Domi argumentiert zwar ueberzeugend, aber ist mindestens so populitisch wie er das Gerede um den Mindestlohn abtut.
zu 1.
Ein flaechendeckender Mindestlohn kann eher durch die sozialen Marktwirtschaft, als den Sozialstaat begruendet werden und ein garantiertes Mindesteinkommen genau andersrum. Was nicht heiszt, dass sich Soialstaat und soziale Marktwirtschaft widersprechen, sondern eher ergaenzen. Sie unterschieden sich aber maszgeblich in dem Punkt, ob Wirtschaft oder Steuerzahler die soziale Sicherheit und Gerechtigkeit bezahlt. Und weder der Begriffe noch die Geschichte des Sozialstaates impliziert zwangslaeufig, dass der Staat Loehne auf ein lebensfaehiges Niveau ausgleichen muss. Er ist nur dazu verpflichtet ein Modell zu finden, dass keiner der Arbeitet verhungert oder obdachlos ist, ob flaechendeckender Mindestlohn oder garantiertes Mindesteinkommen ist vollkommen offen.
2.
Es stimmt wohl, dass wir den Staat im Moment dafuer bezahlen, aber er hat trotzdem noch die Wahl das Modell der Zukunft zu bestimmen. Und wenn er seine Hausaufgaben gemacht hat, dann weisz er, dass er dank der sinkenden Steuereinnahmen und Sozialeinnahmen und verstaerkt durch die Demographische Entwicklung entweder die Sozialabgaben erhoehen oder die Lasten umverteilen muss.
3.
Das ist zu einseitig gedacht, da es alle Kosten Faktoren in den Produktpreis einberechnet werden muessen und dazu gehoeren nun auch mal Putzfrau und Sicherheitsdienst. Natuerlich gibt es da die Zwickmuehle von der Janosch gesprochen hat, aber wenn auf nationaler Ebene alle Anbieter mit den hoeheren Betriebskosten rechnen muessen, entsteht dadurch kein preislicher Wettbewerbsnachteil.
4.
Und genauso halb zu Ende gedacht ist das Argument, da nicht nur die Produktpreise steigen, sondern auch die Einnahmen der angeblich gerade so schwachen Betroffenen. Als Laie schwer abzuschaetzen, aber ich koennte mir vorstellen, dass die Einnahmen sogar mehr steigen als die Produktpreise, da die Betroffenen in allen Branchen zum Beisspiel putzen und wachen, die fuer die gerade wichtigen Lebensunterhaltskosten sich aber nur auf einzelene Branchen beschraenken, wie teile der Dienstleistung und Lebensmittelbranche.
5.
Das ist wohl vom individuellen Parteiprogramm abhaengig.
Jaa, ich nehem einfach nur ganz destruktiv deinen Text auseinander, weil ich meine Hausaufgaben nicht gemacht habe. Meine Briefwahlunterlagen muss ich wohl bald abschicken, aber ich habe immer noch keine Ahnung, wo ich mein Kreuchzchen machen will. Zur Not der Familientradition folgen, sind ja meine ersten wirklichen Wahlen, da geht das noch =).
Gruz, Marvin
Ich denke nicht, dass branchenspezifische Mindestlöhne einen entscheidenden Vorteil haben. Die Von dir genannten Effekte treten dann eben brachenspezifisch auf, und eigentlich nur da ist ja auch die echte Konkurrenz untereinander gegeben.
Andererseits: Das Problem mit der freiwilligen Verantwortungsübernahme durch die Wirtschaft ist, dass es nur einen geben muss, der sich nicht dran hält. Und wenn es nicht erzwungen ist, wird es den und wohl sogar einige geben. Und das bricht das ganze System. Denn der kann die Leistung billiger anbieten und eine hinreichende Masse wird allein deshalb darauf springen. Das ist so und wird so bleiben, egal wie sehr man sich das anders wünscht.
Wir können uns jetzt noch bis Sonntag über den Mindestlohn streiten. Aber was ist mit den anderen Themen?
Stört euch nicht, dass die schwarzen Bundesländer bildungsmäßig drangsaliert werden? Das hört ja nicht mit den Studiengebühren auf. In Hamburg zumindest wurde der schon längst viel zu knappe Etat der Fakultät um 11% gekürzt und davor wurden bereits Professurenstellen gestrichen, Vorlesungen zusammengelegt und Seminare überlaufen. Über die Bildungspläne in Hessen kann man sich auch nur wundern, welche Ziele dort mit den Kürzungen erreicht werden sollen. Was die schwarze Bildungspolitik langfristig für Schaden anrichten wird, ist kaum absehbar.
Und was ist mit dem Privatisierungswahn der CDU?
Über die FDP will ich micht nicht lange auslassen, die spricht eh nur ihren geliebten Mittelstand an. Und alles was sich gehaltsmäßig darüber befindet.
Die Grünen machen sich durch ihre Energiepolitik mehr oder weniger lächerlich. Wieso halten sie immer noch an der Windkraft fest? Jeder Biologe schlägt sich die Hände über den Kopf zusammen, wenn Windkraft als “grün” bezeichnet wird. Es gibt keinen kompromissloseren Lebensraum-Vernichter als die Windräder. Ob im Wasser oder auf dem Land spielt keinen Unterschied. Aber die Grünen haben sich vor Jahren darauf eingeschossen und können nun nicht mehr zugeben, dass es eine Katastrophe für die Umwelt ist.
Bei 100%ig grünem Strom entsteht eine Versorgungslücke, von der keiner weiß, wie man sie schließen kann. Ein wenig Eingeständnisse seitens der Grünen und ein langfristiger und realisierbarer Plan zum Atomausstieg wäre da hilfreicher als der verlogene Hetzzug gegen die Atomenergie.
So, das nur mal, dass keiner behauptet, die Wahl wäre einfach.
Ich würd auch gern einfach nur “die Guten” ankreuzen.
Und alle so: Yeaah!
Was fürn Unfug über Windräder so kursiert…
Erschreckend. Finde ich auch.
Leider ist das nicht nur Unfug.
Die Vibrationen, die ein Windkraft erzeugt, vertreiben das Kleinsttier auf und unter der Erde. Lärm und der sich ständige bewegende Schatten, dessen Reichweite sich gegen Abend natürlich nochmal vereinemillionfacht, vertreibt auch die größeren Tiere. Über die Schäden, die durch den Infraschall entstehen, kann man -soweit ich weiß- zur Zeit nur mutmaßen.
Natürlich sind die Schäden lokal beschränkt, kein Vergleich zu herkömmlichen Energiequellen. Der Schaden, den die Vegetation direkt im Umkreis der WKA nimmt, ist jedoch weitaus größer als bei anderen Energielieferanten.
Wenn ihr einen Biologen findet, der Windräder für unbedenklich hält, geh ich mit euch n paar Bier trinken und die Rechnung geht auf mich.
ohne jetzt die ganze Kommentare gelesen zu haben: Domi, danke, du sprichst mir aus der Seele. Respekt, ich finde dich klug!
So, jetzt lese ich die Kommentare und bin gespannt auf die Hetzjagd.
oh cool. war gar keine Hetzjagd. Also ist Sachlichkeit (auch wenn sie lang-weiliger ist als ein “Duell”) ein gutes Mittel, um Lösungen zu suchen.
@Marvin: du bist bestimmt auch sehr schlau, aber ich kann dir nicht so richtig folgen. sorry. es ist einfacher, gegen etwas zu sein, als FÜR etwas einzustehen. Find mal deinen Standpunkt, dann folgen wir dir :)