Vom Leben gelernt

Eine besondere Erfahrung in NY ist es, viel freie Zeit zu haben. Ich rede nicht über Freizeit zum Rumhängen, sondern über frei einzuteilende Zeit. Denn ich liebe Produktivität und bin mit vielen Ideen im Kopf nach NY gekommen.

Vision

Aber ich habe eine Erfahrung gemacht: Ohne einen künstlichen Zeitrahmen - durch die Uni oder den Job vorgegeben - laufe ich Gefahr, meine Tage an die Erledigung nebensächlicher Aufgaben zu vergeuden oder gar zu verbummeln.
Die Herausforderung ist es, mir Zeitpläne aufzustellen, denen ich dann selbst so viel Autorität zuspreche, dass ich mich ihnen anschließend unterordnen muss. Klar, ich habe die Pläne selbst aufgestellt und könnte sie auch jederzeit wieder umwerfen. Aber wenn ich situationsbedingt immer wieder die Pläne ändere, verliere ich den Blick für’s Ganze und es ist unmöglich, eine klare Linie reinzubekommen.

Im vollgepackten Leben in Deutschland hatte ich mir immer gewünscht, nicht ständig in so viele Dinge eingebunden zu sein - Uni, Job, Gemeinde, Haushaltspflichten usw. - weil da soviel Zeit drauf geht, in der ich auch eigene Ideen voranbringen könnte.
Doch jetzt, wo ich einmal alle Zeit der Welt hatte muss ich feststellen, wie schnell der Wert von Zeit verfällt, wenn man zu viel davon hat. Es war und ist nicht immer schlecht gelaufen in NY, aber oft genug, dass ich mich fragen muss, ob es nicht besser ist, in Teilen doch zeitliche Vorgaben von außen zu bekommen, um in der übrigen Zeit, die mir dann zur freien Verfügung steht, motiviert und gezielt auf meine eigenen Ziele hinarbeiten kann. Ob also ein eingebunden sein in externe Pflichten, nicht auch gerade hilfreich sein kann für die eigenen Projekte. Mal sehen wie es wird, wenn wir wieder zurück in Deutschland und damit auch zurück in festen Verpflichtungen sind.

Für meine restliche Zeit in NY ziehe ich folgenden Schluss: Ich werde einen Plan aufstellen mit Wochen-Zielen und festen Zeitvorgaben für die einzelnen Tage. Von 8:00 bis 13:00 Uhr werde ich “arbeiten” und diese Zeit auch wie offizielle Arbeitszeit im offiziellen Arbeitsumfeld behandeln - Ausnahmen und Ablenkungen sind einfach nicht drin. Ich werde die formulierten Wochenziele auf diesen täglichen Zeit-Slot runterbrechen und dann Tag für Tag abarbeiten, sodass am Ende der Woche alle Ziele erreicht sind. Um 13:00 Uhr ist dann Mittagspause und anschließend koste ich das Besondere an NY aus: freie Zeit haben. Für Freunde, für Cafés, für die vielen Ausstellungen, Konzerte und Künstler in NY, für spontane Aktionen und dergleichen mehr. Aber alles getreu dem Motto:
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Denn das ist kein oller Spruch, sondern die Erfahrung von Generationen von Menschen eingeschlossen mir: Ohne die Gewissheit, bereits etwas sinnvolles erledigt zu haben, macht auch Freizeit keinen Spaß.

3 Responses to “Vom Leben gelernt”


  1. 1 Ramoni

    Nach Ewigkeiten melde ich mich mal wieder. War - bedingt durch mein aufregendes Erasmusleben - kurz davor zu vergessen wie toll euer Blog doch ist. Doch so aufregend und supertoll mein Leben hier in Montpellier auch ist, gibt es auch Tage an denen ich nichts zu tun habe. Naja, nur weil ich keine Uni bzw. andere Verpflichtungen habe heißt es natürlich nicht, dass es nichts zu tun gibt… Denn zu tun gibt es immer: Briefe in die Heimat schreiben, ein gutes Buch lesen, neue Ecken in Montpellier entdecken… Aber trotzdem komme ich an diesen Tagen nicht in die Hufe. Habe also genau die gleiche Erfahrung gemacht wie du Domi.
    Meine gewonnene Erkenntnis: zu viel Freizeit ist nicht gut. Ich werde mir jetzt einen Studentenjob suchen!
    Bisous de la France

  2. 2 Abi

    Alles Quatsch. Man muss nur lang genug nichts tun und dann irgendwann meldet sich das Gewissen nicht mehr und man kann in aller Ruhe nichts tun. An diesem Punkt bist du anscheinend noch nicht angekommen, Domi. Aber jetzt auf habler Strecke umdrehen, wo du es doch schon so weit gebracht hast… das ist doch doof. ;-)

  3. 3 Doro Heinrich

    hey mir gehts genauso!!! für mich entwickelt sich nur aus der Not heraus eine Kunst mit dem Namen: Zufriedenheit mit dem Nichtzufriedenstellenden
    … oder so ähnlich. Dummerweise bring ich mich sonst mit dem Freie-zeit-Planen schnell unter Druck, dann geht gar nichts mehr.
    Bin gespannt auf dein Fazit am Ende der 4 letzten Wochen in NY.
    Freu mich drauf, euch bald wieder in good old Germany zu haben!!!

    Alles Liebe und Gute

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