In den Kommentaren zum letzten Montagsvideo kam die Frage auf, welchen Charakterzug ich an den Amis zu schätzen gelernt hätte. Ich meine, die haben ihr Fett ja nun schon zwei Mal wegbekommen und trotzdem hab´ich behauptet, die Deutschen könnten sich in einigen Punkten eine Scheibe abschneiden. Deshalb will ich nochmal einen genaueren Blick auf die Amis werfen:
In den zwei Monaten, die wir jetzt in Amerika leben, haben wir schon unzählige Male erlebt, welche Eigenschaften die meisten Amis auszeichnen:
Herzlichkeit. Als wir in New York angekommen sind, kannten wir nur eine handvoll Leute, aber die Amis begegnen Fremden mit einer Herzlichkeit, von der wir in Deutschland nur träumen können. Wenn dich ein Freund einem Bekannten vorstellt, hast du im nächsten Moment auch schon dessen Freunde kennengelernt und so weiter. Und die zeigen dann allesamt eine beeindruckende
Hilfsbereitschaft. Als wir nach drei Wochen kostenlosem Wohnen bei Ashley zum Beispiel immer noch kein Apartment hatten, haben wir sonntags ihre Freundin Courtney kennengelernt und sie hat uns montags bei ihr willkommen geheißen - für zwei Wochen, ohne zu Zögern. Das muss wohl an ihrem
Optimismus liegen, den sie offensichtlich mit dem Rest der Amerikaner gemein hat: von allem und allen Neuen wird erstmal nur das Beste erwartet. Da kann die Wirtschaftskrise so groß sein, wie sie will: den Zukunftsglauben wird diesem Land niemand nehmen. Daher kommt wohl auch die
Lebensfreude, mit der man hier um sich schmeißt. Ständig hört man lachende Nachbarn, die sich auf den Treppenstufen vor ihrem Haus gemeinsam amüsieren. Amis sagen, das habe mit ihrem
Gottvertrauen zu tun, das im ganzen Land noch wesentlich weiter verbreitet ist, als in Europa. Und dann ist da noch die
Freiheit, die scheinbar viele Amis haben: da wird einfach mitten in der U-Bahn kräftig beim Lieblingslied mitgesungen, das auf dem iPod läuft - ohne auch nur an´s Genieren zu denken. In derselben U-Bahn wirst du übrigens definitiv in irgendein nettes Gespräch verwickelt, denn die
Offenheit, die man hier gegenüber dem Fremden hat, ist wirklich bemerkenswert. Zu guter letzt noch ein Punkt, der natürlich mit dem richtigen Maß angegangen werden muss. Und was die Deutschen da zu wenig haben, ist bei den Amis vielleicht ein bisschen zu viel, aber: prinzipiell glaube ich, dass ein gesundes Maß
Freude am eigenen Land und die Überzeugung vom eigenen Land helfen, sich dort auch wohl zu fühlen und zu schätzen was man hat. Und glaubt mir: wir haben in Deutschland einiges, was richtig richtig gut läuft und worum uns viele andere beneiden. Wie hoch unsere Standards sind erkennt man manchmal wirklich erst, wenn man in einem anderen Land ist. Aber das ist ein anderes Thema…
























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